Die Pilgerreise - nur eine Geschichte?

Viele Personen wissen jetzt nicht mehr so richtig, wie sie sich verhalten sollen, sind verwirrt und fangen an sich zu fragen, was sie eigentlich hier wollen und ob dieser Verwirrtheit beginnen sie das zu tun, was von außen an Verlangen an sie herangetragen wird.

Doch was ist das für ein Verlangen? Es ist doch nicht das eigene, es ist ein ganz fremdes Verlangen, das sie letztendlich niemals befriedigen wird, wenn sie es ausführen und es nach außen bringen. Innerlich sind sie dann ausgedörrt wie ein Verdurstender in der Wüste. Die Zunge klebt am Gaumen, die Augen sind geschwollen und der Hals ist trocken. Also sind sie nicht mehr in der Lage sich zu äußern, weil die Kraft dazu fehlt und sie nur noch um das bloße Überleben ringen. Sie sagen sich in diesem Augenblick:

Es zählt jetzt nur, dass ich überlebe.  

Ja, so ist das Leben auf dieser Erde angelegt. Es geht um das Überleben und meist um jeden Preis. Dann ist es ganz egal, ob der neben mir elendig zugrunde geht, hauptsache ich finde Wasser und wenn es sein muss, nehme ich dem anderen seine letzte Ration einfach weg, um es für mich zu benutzen. Doch es gibt ein ganz klares Zeichen, dass ihr euch immer vor Augen führen solltet, und wenn ihr es nicht wahrnehmt, dann erinnert euch daran, dass ihr nicht alleine seid.

 

Wenn ihr euch auf den Weg macht, der abseits der grossen verführerischen Strasse liegt, auf der die meisten Menschen gehen , dann werdet ihr auch wieder die Sterne am Himmel sehen und ihr werdet wahrnehmen, dass auch wenn es dunkel ist, ihr dennoch sehen könnt. Denn diese Lichter werden für euch scheinen, auch wenn die künstlichen Lichter ausgegangen sind, weil ihnen die Energie weggenommen wurde und sie aus eigener Kraft nicht leuchten können. Eine natürliche Ausrichtung eures Lebens wird euch vor Augen geführt, wenn ihr diese nicht mehr schließt, weil ihr nicht sehen wollt, was wirklich um euch herum geschieht. Öffnet eure Augen und ihr werden sehen, dass die Irrlichter ganz bewusst gesetzt wurden, um euch den Weg durch das dunkle Moor nicht mehr finden zu lassen, um euch also absichtlich in die Irre zu führen. Lebensnotwendige Korrekturen sind oft von Nöten, wenn der Lebenswagen in eine völlig falsche Richtung gelenkt wurde. Ist es wirklich so, dass er gelenkt wurde? Das hört sich doch so an, als wenn wir gar nicht dafür verantwortlich wären oder als ob wir nicht der Wagenlenker seien, sondern jemand völlig anderes? Ja, in der Tat, nur zu oft überlassen wir es unserem menschlichen Ego unseren Lebenswagen allein zu lenken. Doch wenn der nicht mit dem Willen des göttlichen Selbstes in uns übereinstimmt, also einen eigenen Weg eingeschlagen hat, so werden wir gewaltsam von unserem Seelenplanweg abgedrängt und das bringt uns unausweichlich in Schwierigkeiten.

 

Stelle Dir vor, Du bist ein Pilger und du hast dich fest entschlossen, in ein fernes Land zu reisen um dort einen Ort aufzusuchen, der eine ganz besondere Heilquelle besitzt, die genau die Krankheit heilen kann, die dich so quält. Es ist Dir bekannt, dass viele Wege dort hin führen, aber du hast dir einen ganz bestimmten Weg, eine ganz bestimmte Route ausgesucht und hast dich auch dementsprechend darauf vorbereitet. Du befindest dich also auf dem Weg, den du für dich ausgewählt hast, ehe du losgegangen bist. Du gehst diesen Weg, der mal gerade verläuft aber dann auch Kurven aufweist und auch steile Berge gilt es zu überwinden. Nun kommt aber ein Reiter daher auf seinem hohen Roß, sieht auf dich herab und sagt: „Da wo du hinwillst, ist auch mein Ziel, aber ich werde viel schneller dort sein. Doch wenn ich dich aufsteigen lasse, wird es mein Roß nicht so schnell schaffen, als wenn ich es nur mit meinem Gewicht belaste. Also mach es gut, vielleicht sehen wir uns wieder am Ziel.“

 

Du sagst dir jetzt, ach hätte ich auch so ein Reittier, dann hätte ich es viel leichter. Also kehre ich um, um mir eines zu besorgen. Gesagt, getan. Aber um ein Ross zu kaufen brauchst du Geld, doch dieses hast du nicht. Also sagst du dir, ich werde dafür eine Arbeit annehmen, um mir das Geld zu beschaffen, damit ich mir ein Ross kaufen kann. Dann werde ich schneller am Ziel sein, als wenn ich mich zu Fuß auf den Weg mache. Du findest eine Arbeit und bemühst dich so schnell wie möglich das Geld zusammenzusparen, dass du für das Pferd benötigst. Als du dann das Geld in den Händen hältst, findest du es viel zu schade, all das sauer verdiente Geld auf einmal auszugeben. Du legst einen Teil weg, versteckst es unter deinem Lager, damit es dir niemand stehlen kann und mit dem anderen Teil kaufst du dir etwas, was verlockend vor deiner Nase steht. Du sagst Dir, das habe ich mir doch verdient, ich muss mir ja auch mal was gönnen, wo ich doch so viel arbeite. Die Freude darüber ist kurz, und du beginnst weiter zu arbeiten, weil du ja immer noch an die Pilgerreise denkst. Doch je länger du arbeitest, um so mehr vergisst du, was du eigentlich ursprünglich wolltest und was solls, sagst du dir eines Tages, so eine mühevolle Reise auf mich zu nehmen, wo ich doch noch nicht einmal weiss, das meine Krankheit wirklich dort geheilt wird, all der Aufwand lohnt sich vielleicht doch gar nicht. Aber aufgeschoben ist doch nicht aufgehoben. Schließlich habe ich ja das Geld für das Pferd unter meinem Bett versteckt, also wenn ich wollte, könnte ich jederzeit los.

  

Du ignorierst die Signale, die dir die Krankheit sendet und begibst dich weiter in das geschäftige Treiben rings um dich herum. So geht es immer weiter, unter deinem Bett hortet sich das gesparte Geld und du arbeitest weiter. Dein Vorhaben hast du in weite Ferne gerückt. Eines Tages bricht ein gewaltiger Brand aus, dein Haus brennt ab und auch dein ganzes Geld unter deinem Bett ist nur noch ein kleiner Aschehaufen. Fassungslos stehst du jetzt vor dem Trümmerhaufen deiner gehorteten Schätze, du brichst zusammen, deine Krankheit hat dich erbarmungslos niedergestreckt und jetzt ist dir bewusst, es ist jetzt zu spät um auf die Pilgerreise zu gehen.

 

Du sagst dir jetzt:

 

Ich habe alles verspielt was mir wichtig war und ich habe definitiv auf das falsche Pferd gesetzt. Hätte ich meinen Weg zu Fuss fortgesetzt, wäre ich schon längst dort angekommen und selbst wenn ich dort kein Heilmittel gefunden hätte, so wäre ich doch dem Ruf der Hoffnung gefolgt. Die Vorfreude es dort finden zu können und die Hoffnung auf Heilung wären es schon wert gewesen, auf dem Weg zu bleiben. Der Lebensweg wäre ein Abenteuer gewesen, denn ich hätte vertraut und ich hätte ein Ziel gehabt, und am Ziel angekommen zu sein, wäre alleine das schon der Lohn für die Reise gewesen. Doch immer wieder etwas hinauszuschieben, erst gar nicht loszugehen, sich ablenken lassen, das ist ein Boykott wider den eigenen Lebenssinn, den Zweck meiner Existenz. Meine eigene Faulheit und die verlockende Aussicht schneller ans Ziel zu kommen, indem ich nicht selbst den Weg gehen wollte sondern auf dem Rücken eines Pferdes, waren die Auslöser dafür. Na ja, denke ich jetzt, so ist es nun einmal, derjenige der das Pferd bereits besaß als er sich auf den Weg machte, hatte es sich einfach leisten können, hatte sich also ganz andere Startmöglichkeiten offensichtlich bereits vorher verdient, vielleicht hatte er aber auch das Pferd gestohlen. Aber derjenige, der es sich hat stehlen lassen, hatte es wohl auch nicht besser verdient und wer weiß, vielleicht ist das Pferd ja auch zusammengebrochen, ehe er sein Ziel erreichen konnte. Egal wie das auch immer aussehen mag, eines ist ganz sicher, jeder sollte sich auf seinen Weg machen, ehe es zu spät dafür ist und sollte auf die ihm vorliegenden Mittel zurückgreifen, die ihn weiterbringen auf seinem Seelenweg.

 

Copyright 2017  Renate Schmid

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sabine Heinz (Sonntag, 03 Dezember 2017)

    Herzlichen Dank für diese weise Erzählung. Ich entnehme aus dem Copyright, das es Renate geschrieben hat. Diese Geschichte, die keine ist, erleben wir alle auf dieser Scheinebene und bisher hat sie viele von uns Menschen auf den Irrweg gelockt. Danke für diese Erinnerung, hat mich ermutigt meine gesammelten eigenen Geschichten ebenfalls mit meinen Mitmenschen zu teilen.