Pflegemißstände im Alter - Eine Folge der Verrohung unserer Gesellschaft

Auszug aus einem öffentlichen Gespräch zwischen Herrn Claus Fussek und  Herrn Werner Schulz von "Zivil" - Ausgemustert, ausgesondert und endgelagert"

 

 

Claus Fussek

Der Münchener Sozialpädagoge Claus Fussek kämpft seit mehr als 20 Jahren gegen Missstände in der Altenpflege. Am Notruftelefon organisiert er konkrete Hilfe für verzweifelte Menschen, steht Betroffenen, Angehörigen, aber auch mehr und mehr "ausgebrannten" Pflegekräften mit Rat und Tat zur Verfügung. Arbeitgeber ist die Münchener "Vereinigung Integrationsförderung", die sich in erster Linie um Menschen mit Behinderungen kümmert und sich für deren Eigenleben außerhalb von Anstaltsmauern einsetzt.
Durch zahlreiche Publikationen, durch politische Kampagnen und nicht zuletzt durch öffentliche Auftritte - zum Beispiel in der ZDF-Reihe "Endstation Pflege" im April/Mai diesen Jahres -hat sich Claus Fussek einen Namen als Anwalt und Lobbyist der Alten, der Verwirrten und der Pflegebedürftigen gemacht. Weil er selten ein Blatt vor den Mund nimmt, die Situation in der Altenpflege etwa als "größte Humankatastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet oder von "sozialer Euthanasie" spricht, fehlt es ihm nicht an Gegnern, die ihn beschimpfen und bisweilen auch bedrohen. Nicht nur einmal, so gesteht er, hat er im Anschluss an Podiumsdiskussionen nach dem Hinterausgang des Saales gesucht.
Aber dem "Schreck der Heimträger" (Süddeutsche Zeitung) stehen auch prominente Fürsprecher zur Seite, wie etwa der Kabarettist Dieter Hildebrandt: "Ich kenne ihn schon lange. Irgendwann werde ich mit ihm in ein Heim gehen, weil ich dann sicher bin, dass ich mir nichts gefallen lassen muss."

 

Ausspruch einer Beteiligten: "Ich habe ein System menschlicher Entwürdigung aufrecht erhalten und den Erhalt meines Arbeitsplatzes über die Menschenwürde gestellt."  Das heißt, die Leute sagen: Jetzt kann, will und darf ich nicht mehr.

zivil: Das schreiben diese Mitarbeiter Ihnen - an die Öffentlichkeit dringt davon allerdings kaum etwas.

Fussek: Wir haben hier eine Allianz des Schweigens. Es ist eines der faszinierendsten gesellschafts- und sozialpolitischen Phänomene, wie diese Allianz funktioniert. Das sind ja nicht irgendwelche Hochsicherheitstrakte, wo niemand hinkommt, das sind ja halböffentliche Gebäude. Ärzte schweigen, Angehörige schweigen, das Pflegepersonal schweigt, Kirche schweigt.

zivil: Schweigen Sie, oder haben Sie einfach eine andere Sicht der Dinge: wo Sie etwa schon ein Problem sehen, können andere vielleicht sagen, das ist alles noch im Bereich des Tolerierbaren? 

Fussek: Ja gut, es gibt natürlich viele Angehörige, die sehr lange schweigen, weil sie froh sind, einen Pflegeplatz zu haben. Es gibt viele Erben, die schweigen, weil sie - auch wenn es hart klingt - ihre Alten hier bequem entsorgt haben. Es gibt Pflegekräfte, die schweigen aus Angst um ihren Arbeitsplatz. Es gibt Ärzte, die schweigen, weil sie sich fachlich völlig überfordert sehen. Krankenhäuser schweigen, weil sie an den Heimen verdienen, das sagen die mir auch. Sie gehen in ein Altenpflegeheim, kritisieren Druckstellen, Austrocknung, Magensonden, Dauerkatheter, dann sagen die: Ja, die kriegen wir alle aus den Krankenhäusern so geliefert. Herr Fussek, machen Sie doch mal was gegen die Krankenhäuser. Dann gehe ich in die Krankenhäuser, und da erzählt man mir die Geschichte umgekehrt: Die kommen alle so aus den Pflegeheimen. 
Das heißt, wenn die Pflegefehler nicht auf dem Transport entstehen, was sehr unwahrscheinlich ist: Hier verdienen die Häuser aneinander. Formulierungen, über die ich noch vor fünf Jahren erschrocken wäre, die kriege ich heute ohne weiteres bestätigt. Mir sagen Ärzte klipp und klar: Herr Fussek, das ist ein Wirtschaftsfaktor, bei uns werden Betten abgebaut, wir leben unter anderem von den Einweisungen aus den Heimen.

"Pflege ist nicht markt- und börsentauglich"

zivil: Sie kümmern sich am Nottelefon um jeden Einzelfall, aber Ihr Hauptziel bleibt, die Strukturen zu ändern. Wo setzen Sie da den Hebel an?

Fussek: Das ist ein gigantisches Problem, wo man wirklich nur mittel- und langfristig arbeiten kann. In einzelnen Städten ist es gelungen, Beschwerde- und Anlaufstellen einzurichten mit kritischen Profis, wir haben Kontakt zu engagierten Journalisten, so dass wir in Einzelfällen Probleme lösen können.
Das Zweite ist: Wir müssen die Gesellschaft mit dem Problem konfrontieren. Die Politik dann auch, aber zuerst die Gesellschaft, denn die ist verantwortlich, weil sie dazu schweigt. Politiker sind an der Thematik überhaupt nicht interessiert, gleichgültig welcher Partei sie angehören. Das heißt, die Bevölkerung muss diese Problematik an die Politik herantragen. Wir müssen hier eine offene Diskussion führen. 
Es geht um alte, pflegebedürftige Menschen, für die sich niemand mehr interessiert. Eine Personengruppe wird hier ausgemustert, ausgesondert, endgelagert. Ich sage das in dieser Deutlichkeit, weil ich keine andere Erklärung habe.

zivil: Die Mehrzahl der Pflegebedürftigen wird zu Haue versorgt und es wird immer wieder behauptet, dass es dort zu sehr viel Gewalt kommt.

Fussek: Es herrscht sehr große Angst davor, jetzt auch noch dieses Fass zu öffnen. 80 % der Betroffenen werden zu Hause versorgt. Wenn wir in dieser Gesellschaft ganz offen über die katastrophale ambulante und stationäre Versorgung reden würden, dann entstünde ein dringender politischer Handlungsbedarf. Denken Sie an die Probleme BSE, Terror, Antisemitismus … Da aber keine Partei bereit ist, das Problem der Altenpflege aufzugreifen, werden die Dinge bagatellisiert und schöngeredet. Wo es um Arbeitsplätze in der Stahlindustrie oder um Bauern geht, kann man so nicht vorgehen, da ist eine riesige Lobby dahinter. Aber die Alten interessieren niemanden. Und die Berufsgruppe der Pflegekräfte ist die unpolitischste Berufsgruppe, die es gibt. Von dieser Seite ist wenig zu erwarten.
Und die Angehörigen sind oft buchstäblich am Ende ihrer Kräfte. Ich hatte gestern ein Gespräch mit einer Frau, die zu Hause ihren Ehemann versorgt. Die Frau steht 24 Stunden unter Strom. Sie kriegt keine bezahlbare Hilfe. Sie kann nicht fünf- oder sechstausend Euro hinlegen. Wer kann sich das leisten? Es geht ja nicht um vier Wochen, es geht oft um Jahre. 
Diese Pflege ist der freien Marktwirtschaft übergeben worden. Hier herrschen die Gesetze und die Preise der freien Marktwirtschaft. Aber dieses "Produkt Pflege" ist für mich nicht markt- und börsentauglich. Ich darf dort Geld verdienen. Aber ich kann mich an diesem "Produkt" nicht bereichern.

 

 

Zitat Weltenlehrer-Pressestelle

 

Renate: "Ich habe diesen Bericht im Internet gefunden, einen von vielen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es mich nicht weiter verwundert hat, dass es unter der sichtbaren Kulisse unserer Gesellschaft so aussieht. Die Allianz des Schweigens kommt mir doch sehr bekannt vor. Die wird überall benutzt, so auch für die Manipulierung unseres Klimas und der Natur, Chemtrailing, Ignoranz gegenüber dem Leid der Tiere , na ja, eigentlich fast überall vorhanden. Hat der Mensch geglaubt, dass es ihm anders ergehen wird, wenn ihn niemand mehr braucht, wenn er sein Leben lang für das ausbeuterische System gearbeitet hat und dann alt und wertlos geworden ist? Ich hatte in meinem Video "Jesus Christus liebte auch die Tiere" auf Youtube bereits darüber gesprochen, um was es wirklich geht - nämlich um Mitgefühl zu leben sich selbst und allen anderen einschließlich der Tiere gegenüber! Auch in meinen Büchern "Der 13. Schlüssel" und "Der Lichtcde - Ursaat der Schöpfung" wird die Wahrheit über das Leben und um was es wirklich geht ganz konkret und für jedermann sichtbar dargestellt. Wir sollten wissen, es kommt niemand aus dem Himmel der dann für uns alles toll verändert oder Engel oder Außerirdische heben uns einfach empor in ein anderes Bewusstsein - nein, wir müssen das schon selbst tun und uns darum bemühen selbstverantwortlich zu leben. Das ist Evolution des Bewusstseins und nur darum geht es. Leben wir das Mitgefühl mit allem was da lebt und atmet wird uns Hilfe zuteil werden, aus jenen Ebenen, die Liebe und Mitgefühl repräsentieren. So einfach ist das! Und  das wird zu einer positiven Veränderung unserer gesellschaftlichen Struktur führen, von der wir alle gleichermaßen profitieren können. "